Damaskus – zwischen Terror und Kaffee

By beirut

Nichts geht mehr. Alle Straßen um das Diplomatenviertel in Damaskus sind hoffnungslos verstopft nachdem Sicherheitskräfte die amerikanische Botschaft im Radius von ca. 500 Metern abgeriegelt haben. Mit Maschinenpistolen blockieren sie hektisch die Zufahrten. Wer als Autofahrer der ersten Anweisung nicht folgt, bekommt die zweite Anordnung mit dem Gewehr im Anschlag. Kurz zuvor hat sich ein Selbstmordkommando vor der US-Vertretung einen heftigen Schusswechsel geliefert, nachdem eine Autobombe und Granaten explodiert sind. So zumindest schildern die TV-Nachrichten die Vorgeschichte, die jetzt bei jedem Gemüsehändler und Bäcker life übertragen werden. Überall sind Sirenen von Krankenwagen zu hören. Plötzlich wird es noch lauter: Ein Konvoi bestehend aus drei weißen Opel Kombi bahnt sich mit Dauerhupen einen Weg entgegen der Fahrtrichtung durch eine verstopfte Einbahnstraße. Das es wirklich eilig ist, wird klar, als vier Männer mit Pistolen in der Hand dem Verkehr entgegen rennen und mit den Waffen fuchtelnd zu verstehen geben, dass sofort Platz zu machen ist. In den drei weißen Autos sitzen finstere Gestalten, die gar nicht erst versuchen, ihre Gewehre zu verstecken. Auch sonst lässt sich nicht zuordnen, wer hier für Ordnung sorgen will. Typen in Zivilkleidung sind ebenso bewaffnet wie Männer in dunklen Anzügen. Auch Tarnfleck schmückt die Straße. Verwirrend nur: Es gibt keine einheitlichen Uniformen. Von sandfarben bis dunkelgrün mischt alles mit, was eine Waffe abbekommen hat. Wahrscheinlich wurden auf die Schnelle einfach nur sämtliche Bereitschaftsdienste zusammengetrommelt, egal ob von Polizei, Geheimpolizei, Militär oder welcher staatlichen Einrichtung auch immer.

Ich lasse das nervöse Treiben rund um die Botschaften hinter mir und gehe dahin, wo es friedlicher zugeht. In der Altstadt lässt sich der Terror rasch vergessen. Hier wird klar, was Damaskus ausmacht: Unendlich viel Leben auf der Straße, buntes Durcheinander sowie unzählige Bäckereien, Falafilstände und Kaffeeduft in allen Gassen. Auch der frisch gepresste Orangensaft passt immer. Leider befinde ich mich schon auf der Zielgeraden meiner kleinen Nahostreise, so dass ich meinen Aufenthalt in Syrien nicht verlaengern kann. Einen Endspurt einlegen muss ich auch nicht, da ich auf meiner Tour mehr gesehen und erreicht habe, als ich mir vor der Abreise haette vorstellen koennen. Darum lasse ich ganz entspannt Damaskus auf mich wirken, trinke abends mit Leuten aus dem Hostel ein oder zwei kalte Biere in der Altstadt und schlendere dann am Donnerstag Abend zum Flughafen, wo mein Flieger auf mich wartet.     

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